Zink-lebensnotwendig und gefährlich

Addi
Zink ist für unsere Nymphensittiche ein lebensnotwendiges Spurenelement - Zink kann aber auch zu einer lebensbedrohenden Gefährdung werden. Eine Erkenntnis die bisher noch wenig bekannt ist!

Zink als lebensnotwendiges Spurenelement

Über die Funktion von Zink als Spurenelement sowie allgemein über Spurenelemente und ihre Funktion im Organismus der Nymphensittiche ist noch wenig bekannt. Zink als Spurenelement wird aber wohl für viele biochemische Prozesse benötigt, u.a. für das Wirken von Enzymen und Hormonen.

So wirken in den roten Blutkörperchen zinkhaltige Enzyme bei der Entsorgung des Organismus von Kohlendioxyd beim Ausatmen und durch die Bindung freier Sauerstoffradikale bei der Förderung des Wundheilungsprozesses mit.

In der Leber erfüllt ein zinkhaltiges Enzym eine wesentliche Funktion bei der chemischen Umwandlung des pflanzlichen Pro-Vitamin A (Beta-Karotin) in das Vitamin A (Retinol).

Im Verdauungsprozess ist ein weiteres, in zwei Varianten auftretendes zinkhaltiges Enzym an der chemischen Aufspaltung des in der Nahrung enthaltenen Eiweißes und an der Bildung von Insulin beteiligt.

Eine wichtige Rolle spielen zinkhaltige Enzyme auch in Prozessen, die im Bereich der genetischen Struktur der Zellen stattfinden.

Zink hat auch Einfluss auf die Speicherung des Hormons Insulin in Form des Insulin-Zink-Komplexes in der Bauchspeicheldrüse und über das Hormon Thymulin auf die Bildung und Aktivierung von Abwehrzellen des Immunsystems.

Zinkhaltige Ernährung

Es ist wichtig, dem Nymphensittich Zink als Spurenelement täglich in ausreichender Menge mit der Nahrung zuzuführen, da der Organismus es nicht über längere Zeit speichern kann.
Das ist aber leider gar nicht so einfach. Denn die Samen, die Hauptbestandteil des Futters sind, enthalten zwar Zink, gleichzeitig aber auch Phytinsäure. Diese geht im Dünndarm mit Zink, aber auch mit anderen wichtigen Mineralstoffen (Kalzium, Eisen) eine chemische Verbindung ein, die so vom Organismus nicht mehr aufgenommen werden kann.
Abhilfe kann das Einbeziehen von Kräutern in die Ernährung bringen. Kräuter, wie z.B. Basilikum, Estragon, Thymian, Rosmarin, Salbei, Majoran und Kümmel enthalten relativ viel Zink (bis zu 9 mg/100 g). Sie sollten aber aus den o.g. Gründen nicht zusammen mit dem Körnerfutter gegeben werden.
(Wahrscheinlich hilft auch das Keimenlassen weil die Phytinsäure durch ihren hohen Phosphatgehalt die Energie für den Keimvorgang liefert und aufgebraucht wird (steht so aber nicht im Beitrag)).
Ein weiteres Problem liegt darin, dass sich Zink einerseits und Calcium, Eisen und Kupfer anderseits gegenseitig an der Aufnahme durch den Organismus hindern. Diese Möglichkeit ist besonders gegeben, wenn mineralische Futterergänzungsmittel verabreicht werden.

Die folgenden, recht unspezifischen Symptome können auf eine Unterversorgung mit Zink hinweisen:
- schlechte Wundheilung
- Veränderungen der Haut (Hauttrockenheit, Schuppenbildung)
- Veränderungen des Gefieders (Federverlust)
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
- Anfälligkeit für Infektionen
- allgemeine Schwäche und Teilnahmslosigkeit
- Wachstumsstörungen (Jungvögel)
- Schildrüsenfehlfunktionen
- hormonelle Veränderungen ( und damit möglicherweise Polyurie)

Gefährliche Aufnahme von nicht-nahrungsgebundenem Zink
Die Aufnahme von Zink in Form von anorganischen Zinkverbindungen (meist Zinksalze) aus der Lebensumgebung der Nymphensittiche stellt eine große Gesundheitsgefährdung für den Nymphensittich dar. Leider findet sie bisher nur wenig Beachtung seitens der Halter.
Metallisches Zink wird als Korrosionsschutz für Stahl verwendet. Meist wird der Stahl galvanisch verzinkt oder es findet eine Feuerverzinkung statt. Bei beiden Arten von verzinktem Stahl können Nymphensittiche mit Zink oder Zinksalzen in Kontakt kommen, diese aufnehmen und Vergiftungen erleiden.
Am gefährlichsten ist es für den Vogel, wenn er Partikel metallischen Zinks, z.B. „Zinknasen“ die feuerverzinktem Stahl oft anhaften, verschluckt und eine
akute Zinkvergiftung erleidet. Im Magen reagiert der Zink mit der Magensäure und es entsteht ätzendes Zinkchlorid. Es bewirkt, dass sich das Gewebe zusammenzieht und verdichtet und hemmt so die Funktion der Verdauungsdrüsen. Außerdem wirkt es stark hygroskopisch und entzieht dem Gewebe Wasser.
Die Symptome einer akuten Zinkvergiftung sind grünfarbener, oft blutiger Durchfall und Erbrechen aufgrund von Verätzungen der Schleimhäute des Magens und des Dünndarms, Verweigerung der Nahrungsaufnahme. In schweren Fällen treten Muskelzittern, Lähmungen auf und oft stirbt der Vogel an einem Kollaps.
Aber auch wenn keine „Zinknasen“ vorhanden sind bilden sich auf verzinktem Stahl, auch wenn er galvanisch Verzinkt wurde, unter Einfluss der Luftfeuchtigkeit und dem Kohlendioxid in der Luft Zinkcarbonat (Zinkpatina), Zinkoxid bzw. Zinkhydroxid (Weißrost).
Besonders der nur locker anhaftende Weißrost kann leicht vom Vogel aufgenommen werden wenn er z.B. an einem verzinkten Volierengitter mit Hilfe des Schnabels herumklettert und zu einer
chronischen Zinkvergiftung führen. Eine chronischen Zinkvergiftung schädigt nicht nur den Magen-Darmtrakt sondern es kommt zu einer Beeinträchtigung des gesamten Organismus weil ihm ständig Zink im Übermaß zugeführt wird. Zink wirkt dann als Resorptionsantagonist für die Spurenelemente Calcium, Eisen und Kupfer und verhindert eine ausreichende Aufnahme dieser lebensnotwendigen Spurenelemente und es kommt zu entsprechenden Mangelerkrankungen:
Calciummangel - Veringerung der Knochendichte, Aufweichung der Hornsubstanz, Beeinträchtigung der Herzfunktion, Muskelkrämpfe, Legenot.
Eisenmangel - Anämie (Rückgang der roten Blutkörperchen) und damit verminderte Sauerstoffversorgung, Müdigkeit, geringere Bewegungsbereitschaft, Atemnot und verminderte Nahrungsaufnahme.
Kupfermangell – Störung der Gefiederbildung, Gefiederschäden, Passivität, Mattigkeit, geringe Bewegungsbereitschaft.

Es können bei einer chronischen Zinkvergiftung als eine ganze Reihe von unspezifischen Symptomen auftreten und so die sichere Diagnose sehr erschweren.


Schlußfolgerung

Da die Aufnahme von metallischen Zink zum Tode führen kann und Wellensittiche Aufgrund des Futterangebotes in Gefangenschaft sowieso ständig der Gefahr einer Mangelernährung ausgesetzt sind und sich diese Gefahr schon durch die Aufnahme geringer Mengen anorganischer Zinkverbindungen stark erhöht, ist es sinnvoll, Wellensittiche gar nicht mit verzinktem Stahl in Berührung kommen zu lassen und nur Edelstahl (V2A, V4A) zu verwenden. Bei Schrauben Ketten, U-Scheiben, Futternäpfen u.ä. ist das ohne Probleme möglich. Bei gekauftem Spielzeug sollte man darauf achten, dass nur Edelstahl (Magnetprobe, V2A ist unmagnetisch) verwendet wurde. Wo das nicht oder nur mit erheblichen finanziellem Aufwand möglich ist, sollte versucht werden die Vögel am direkten Kontakt zu hindern, z.B. durch zusätzliche inner Volierennetze bei Volieren aus verzinktem Stahl (Vorsicht bei offenen Fußringen!).
Außer durch verzinkten Stahl können Vögel durch alltägliche Dinge mit Zink in Kontakt kommen, bei denen man das nicht vermuten würde. So enthalten saugfähige Papiere wie Servierten, Klopapier und Küchenrollen ebenfalls Spuren von Zinksalzen.